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Ingeborg Struckmeyer - Die Autorin |
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Aus der Kurzgeschichte “Verhängnisvolle Nähe”,erschienen in dem Buch “Tödliche Rache” |
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...Berd Hellmann verlangsamte das Tempo, nahm seine rechte Hand vom Steuer und legte sie leicht auf Melanies Knie, Melanie erstarrte. Die schlanken Finger, die eben noch vertrauenerweckend das Lenkrad umfasst hielten, waren auf einmal wie schleimige weiße Maden. Melanie hielt den Atem an, als Bernd Hellmann seine Hand höher schob. Ihr brach der Schweiß aus. Es roch sauer nach Angst. Sie war nicht im Stande sich zu bewegen und sah versteinert zu, wie die schleimigen weißen Maden ihren Oberschenkel hinaufkrochen. Nach einem kurzen Blick auf Melanie ging Berd Hellmann weiter mit der Geschwindigkeit herunter, lenkte den Wagen in einen Waldweg und blieb stehen. Er löschte die Scheinwerfer, ließ nur das Standlicht brennen. Einen Moment schien er zu zögern. Melanie presste sich ganz eng an die Beifahrertür und sah sein Profil vor dem Hintergrund des Autofensters. Plötzlich fiel ihr auf, dass seine Nase der ihres Stiefvaters ähnelte und sein Kinn genauso aussah wie das von Arno. Bernd Hellmann wandte sich ihr zu. Er nahm ihre linke Hand, zog sie zu sich herüber und küsste ihre Fingerspitzen. Seine Lippen glänzten feucht im schwachen Licht, und er atmete heftig. Melanies Herz schlug wie ein Dampfhammer, das Blut rauschte in ihren Ohren, und auf ihrer Oberlippe bildeten sich kleine Schweißperlen. Bernd Hellmann ließ ihre Hand los und versuchte, die Arme um sie zu legen. Er drückte seinen Mund auf ihr Haar. Sein männlicher Geruch weckte Melanie aus ihrer Erstarrung. Sie umklammerte die Nagelfeile noch fester - und stieß zu! Die Spitze der Feile traf sein linkes Auge. Es löste sich mit einem schmatzenden Geräusch auf. Die gallertartige Masse rutschte seine Wange herunter wie ein rohes Ei. Mit einem Aufstöhnen schlug Bernd Hellmann die Hände vors Gesicht. Ein Blutstrom ergoss sich durch seine gespreizten Finger. „Oh, Gott! Warum?" schrie er. Er griff mit einer Hand nach Melanie. Angeekelt stach sie ein zweites Mal zu, ein drittes Mal, und die Nagelfeile blieb in seiner Brust stecken. Mit einem dumpfen Laut brach Bernd Hellmann über Melanie zusammen. Sein Blut floss über ihre Beine. Einen Moment lang bekam sie keine Luft. Dann stemmte sie sich mit aller Kraft gegen seinen Körper und schob ihn auf den Fahrersitz zurück. Sein Kopf schlug gegen die Kopfstütze. Sein unverletztes Auge war gebrochen. Melanie zitterte. Eine Welle der Übelkeit überlief sie, und sie erbrach sich über Bernd Hellmanns leblosen Körper. Dann handelte sie wie in Trance. Sie kroch zur Beifahrertür hinaus und versank sofort knöcheltief im Schlamm. Mühsam zog sie ihre Schuhe aus dem Morast und humpelte um den Wagen herum. Nachdem sie die Fahrertür geöffnet hatte, versuchte sie, die Leiche herauszuziehen. Sie war zu schwer. Melanie stolperte zurück zur Beifahrerseite und stieß den schlaffen Körper hinaus. Beinahe wäre sie auch gefallen. Sie zerrte an dem schweren Mann, um ihn aus der Nähe des Autos zu schaffen. Sie wusste, dass sie es konnte. Unter Aufbietung all ihrer Kräfte gelang es ihr, den Leichnam an den Waldrand zu schleppen. Ihre Lungen schmerzten und ihr Puls raste. Sie suchte ein paar Zweige und bedeckte den Toten damit. Zusätzlich häufte sie einen Berg Laub auf ihn. Immer wieder rutschten die nassen Blätter von seinem Gesicht, und sie fühlte das eine Auge auf sich ruhen, lüstern, begehrlich. Dann setzte sie sich ans Steuer des Wagens. Obwohl sie, seit Arno fort war, nicht mehr Auto gefahren war, kam sie erstaunlich gut zurecht. Beim Zurücksetzen würgte sie zwar zweimal den Motor ab, die Reifen drehten durch, und einige Sekunden lang fürchtete sie, im sumpfigen Boden stecken zu bleiben. Doch dann griffen die Räder, und sie lenkte den Wagen auf die Straße. Sie fuhr ans andere Ende der Stadt und stellte das Auto auf dem Parkplatz vor dem hellerleuchteten neuen Bottroper Hauptbahnhof ab. Die blutbefleckten Sitze bedeckte sie mit ihrem Mantel. Dann schloss sie den Wagen sorgfältig ab und ging den weiten Weg zu Fuß nach Hause. Die wenigen Passanten, die zu später Stunde unterwegs waren, sahen eine völlig durchnässte junge Frau mit leeren Augen, die zielstrebig durch die Straßen eilte. Weit nach Mitternacht erreichte Melanie ihr einsam stehendes Haus, das sie, seit Arno fort.war, allein bewohnte. Sie kam an der verschlossenen Garage vorbei und rümpfte unbewusst die Nase über den eigenartigen Geruch, der aus der Garage drang. Sie öffnete die Haustür und ging die Treppe hinauf am Schlafzimmer vorbei, in dem sie, seit Arno fort war, nicht mehr geschlafen hatte. Im Gästezimmer legte sie sich ins Bett und schlief sofort ein. -... |
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